Der kapitalistische Profit zerstört die Wissenschaft.

[Aus Nr. 30 der „AfA“]

Immer wieder hören wir, wie viel Geld in Forschung und Wissenschaft investiert wird, dass es enorm wichtig sei diesen Bereich „voranzubringen“ und die Wissenschaft generell „immer weiter voranschreitet“. Wer aber hinter die Zahlen von Förderungen und Versuchen blick erkennt schnell: Die Realität sieht anders aus.

Experimente sind einer der Hauptpfeiler der Wissenschaft. Nicht das blinde, alchemistische „daruf-los-werken“, sondern die Überprüfung von Thesen bzw. Annahmen mittels des wissenschaftlichen Experiments. Durch Wiederholungen eines Experimentes werden Fehler in den Annahmen aufgespürt. Je öfter sich ein Resultat eines Experimentes wiederholt, desto richtiger die Annahme, wenn sich bei entsprechend oft ausgeführten Experimenten ein Resultat hingegen nur ein, zwei Mal wiederholt, handelt es sich um Zufall, und nicht um die Bestätigung einer theoretischen Annahme. Kurz gesagt, Erkenntnisse werden mittels Experimenten entweder abgesichert oder als falsch, als Irrtum verworfen. So weit, so gut. Der kapitalistische Imperialismus verwandelt alles in Waren, es gibt keine Ausrichtung nach den allgemeinen Bedürfnissen der Menschen, sondern nur nach Profit. Und das zeigt sich auch im Wissenschaftsbetrieb, zum Beispiel in der Verkümmerung des Experiments als wissenschaftliche Methode. Schon vor einigen Jahren machten sich die beiden Mediziner Begley und Ellis daran, die Anwendung der Methode des wissenschaftlichen Experiments in ihrem eigenen Fachgebiet, der Krebsforschung, zu überprüfen. Ihr Resultat, das 2012 im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht wurde, spricht Bände: von 53 überprüften Studien, ließen sich nur sechs durch wiederholte Experimente bestätigen. Die Resultate der restlichen 47 stellten sich bei ausreichend häufiger Wiederholung des Experiments als Irrtümer heraus. Noch schlimmer steht es in der (weniger konkreten) Wissenschaft der Psychologie. Hier überprüfte Matthew Makel (Duke University) sämtliche Experimente des Jahres 2015, mit dem erschreckenden Resultat, dass sich nur 1,07% aller „Erkenntnisse“ in Wiederholungsreihen bestätigen lassen. Er veröffentlichte diese Tatsache im Magazin „Social Psychology“. Doch woran liegt diese absurd niedrige Zahl von tatsächlichem Erkenntnisgewinn aus der modernen Wissenschaft? Ganz einfach daran, dass sich mit der langwierigen und gewissenhaften Überprüfung von „Erkenntnissen“ anderer Wissenschafter kaum Geld verdienen lässt. Millionenschwere Förderungen werden an jene Institute und Privatpersonen ausgeschüttet, die spektakuläre Resultate präsentieren können. Wenn sie selbst ihre „Resultate“ kritischen Experimenten unterziehen und feststellen, dass es sich um Zufälle und Irrtümer, nicht aber um klare Erkenntnisse handelt, gibt es keine Preise und weniger Förderungen. Daher ist der Wissenschaftsbetrieb, um weitermachen zu können, immer stärker dazu gezwungen, zwar schöne, aber nicht unbedingt richtige „Erkenntnisse“ zu liefern. Dazu kommt, dass ein großer Teil der Forschung unter privaten Firmen läuft. Diese haben Interesse daran ihren Profit zu steigern, interessieren sich also vor allem für milliardenschwere Forschungsgelder, nicht unbedingt dafür, dass ihre Resultate richtig sind. Auch persönliche Interessen kommen im kapitalistisch-imperialistischen Wissenschaftsbetrieb besonders schwer zu tragen. Wer seine eigene Forschung gewissenhaft überprüft, wird öfter Irrtümer eingestehen müssen. Damit lassen sich aber keine Preise und Auszeichnungen gewinnen, und ohne diese gibt es keine prestigeträchtigen Jobs und Forschungsaufträge. Wie hier am kurzen Beispiel zweier Überprüfungen in den Bereichen der Medizin und der Psychologie aufgezeigt werden konnte, zerstört der Imperialismus in Wahrheit die aufrechte Wissenschaft. Wie schon Karl Marx im „Kapital“ feststellte, interessiert sich die herrschende Klasse nicht für die Wahrheit, sondern für den Profit – und diesem wird im Fall des Falles auch die Erkenntnis geopfert. Entscheidender Erkenntnisfortschritt ist historisch also nur noch möglich, wenn der Imperialismus und damit auch das kapitalistische Profitstreben, beseitigt wird.

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